Einrichtungen & Angebote finden

125 Jahre Simeonsstift in Vlotho-Valdorf

Portrait von Pastor Adolf-Eberhard-Delius
Pastor Adolf-Eberhard-Delius

Pastor Eberhard Delius gründet das Simeonsstift

Wie so viele diakonische Einrichtungen ist das Simeonsstift auf das Engagement einer evangelischen Kirchengemeinde zurückzuführen. Pastor Eberhard Delius (1835-1897), seit 1868 Gemeindepfarrer in Valdorf und seit 1892 auch Superintendent des Kirchenkreises Herford, setzte sich maßgeblich für die Gründung eines Pflegehauses in Valdorf ein. Er war ein überaus beliebter Seelsorger, der im ländlichen Valdorf von Haus zu Haus ging und die Menschen besuchte. So fand er auch bald in der Gemeinde Mitstreiter, die das Projekt unterstützten. Über viele Jahre sammelte Pastor Delius Spenden und stellte regelmäßig auch einen Teil seines eigenen Einkommens für das geplante Haus zur Verfügung. Seine Tochter Elisabeth schilderte später in ihren Lebenserinnerungen das Schicksal eines alten Junggesellen aus Valdorf, der Asthma hatte und auf die Hilfe der Nachbarn angewiesen war. Die Pfarrerskinder brachten ihm oft eine Kanne mit Suppe. Für Menschen wie ihn wollte Pastor Delius das Simeonsstift bauen.
Rund zehn Jahre dauerte es, bis genug Kapital vorhanden war, und Eberhard Delius ein größeres Grundstück kaufen konnte, auf dem ein Bauernkotten stand. Zunächst ließ er den Kotten ausbauen und 1885 konnte dann neben dem älteren Bauernhaus der Grundstein zu einem neuen Pflegehaus gelegt werden. Das Gebäude entstand mit viel ehrenamtlicher Hilfe. In der Grundstein-Urkunde hieß es, alle für den Bau notwendigen Fuhren und Handdienste seien von der Gemeinde unentgeltlich geleistet worden. Auch das benötigte Eichenholz war teilweise von den Bauern geschenkt worden. Der Zweck des Hauses wurde in der Urkunde ebenfalls benannt: „Dasselbe ist bestimmt zur Aufnahme von kranken und schwachen Armen der Kirchengemeinde Valdorf, welche die ihnen nötige Pflege weder sich selbst verschaffen noch von ihren Anverwandten erhalten können.“

Einweihung am 4. Juli 1886 – erste Bewohnerin Anna Luise Edler

Altes Simeonsstift

Am 4. Juli 1886 wurde das Simeonsstift eingeweiht. Diakonissen aus dem Betheler Mutterhaus Sarepta übernahmen die Betreuung der hilfsbedürftigen Menschen; Sanitätsrat Dr. Karl Hillebrecht aus Vlotho war als Hausarzt für die medizinische Versorgung der Kranken zuständig. Im Aufnahmebuch wird als erste Bewohnerin die 70-jährige Witwe Anna Luise Henriette Edler genannt. Die Valdorfer Armenkasse zahlte das Pflegegeld für sie, das vierteljährlich 50 Pfennige betrug. Insgesamt 13 Menschen nahm das Simeonsstift im weiteren Verlauf des Jahres 1886 auf. Fast alle kamen aus der Gemeinde Valdorf, die damals rund 4.000 Einwohner hatte. Einige der ersten Stiftsbewohner waren älter und alleinstehend. Es waren jedoch auch drei junge Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren darunter. Aus welchem Grund sie in das Simeonsstift kamen, ist nicht überliefert.
1892 erhielt das Simeonsstift die Anerkennung als milde Stiftung. Superintendent Delius übergab die bisher ihm gehörenden Grundstücke mit Gebäuden an die neue Stiftung, die jedoch eng mit der Gemeinde verbunden blieb. Der Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Valdorf führte den Vorsitz sowohl im Verwaltungsrat, als auch im geschäftsführenden Stiftungs-Vorstand, und dem Superintendenten der Diöcese Vlotho wurde ein Aufsichtsrecht eingeräumt.

Im Simeonsstift werden Alte gepflegt, Kinder betreut und Kranke geheilt

Das Simeonsstift versorgte durchschnittlich 20 Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen Pflege und Betreuung benötigten. Außer einigen Waisenkindern waren die meisten in höherem Lebensalter und entweder verwitwet oder ledig geblieben. Darunter waren auch manche, die aus dem damals noch benachbarten Vlotho und aus anderen nahe gelegenen Ortschaften kamen. Immer wieder nahm das Simeonsstift auch kranke Menschen auf, denn die medizinische Behandlung durch einen Arzt war im ausgehenden 19. Jahrhundert auf dem Land durchaus nicht selbstverständlich.
Die Nachfrage war offenbar so groß, dass bereits 1893 ein Anbau als Krankenabteilung errichtet wurde. Nun war insgesamt mehr Raum vorhanden, so dass das Simeonsstift sowohl bedürftige Menschen von außerhalb aufnehmen konnte, als auch bei Bedarf Bessergestellte, die sich eine gute Versorgung leisten konnten. In den Aufnahmebedingungen hieß es dazu: „Infolge des Erweiterungsbaues im Jahre 1893 können Auswärtige in größerer Zahl aufgenommen werden, in einzelnen Fällen auch als Pensionäre solche Sieche und Kranke, welche besondere Anforderungen an Wohnung und Pflege stellen und ein erhöhtes Pflegegeld zahlen“. Die Valdorfer hatten jedoch nach wie vor grundsätzlich Vorrang bei der Belegung. Unterstützungsbedürftige Menschen aus Valdorf wurden unentgeltlich gepflegt und die normalen Pflegesätze für Einheimische waren deutlich niedriger als für Auswärtige.
Kranke Menschen kamen mit den verschiedensten Beschwerden und Symptomen in das Simeonsstift. Dr. Hillebrecht behandelte Knochenbrüche, Verletzungen und Schusswunden, Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Diphterie und Rachitis, Erkrankungen wie Rheuma und Lungenentzündungen. Er führte Amputationen durch und entfernte Geschwülste. Eine schwangere Frau aus Steinbründorf litt unter Schwangerschaftsdepressionen und auch bei einigen anderen Patienten diagnostizierte Dr. Hillebrecht seelische oder geistige Störungen. Einige Menschen kamen, um sich von „allgemeiner Schwäche“ zu erholen, zum Beispiel ein Diakon aus Volmerdingsen, der mehrere Wochen blieb.

An die Krankenabteilung werden neue Anforderungen gestellt

Das Simeonsstift war also nicht nur Alten- und Kinderheim, sondern es hatte auch die Funktionen eines Krankenhauses und einer Kureinrichtung übernommen. Der medizinische Bereich war nach 20 Jahren erfolgreicher Arbeit von aktuellen Entwicklungen im Krankenhauswesen betroffen, die den Vorstand zunächst vor Probleme stellten. Die Mindener Regierung forderte das Simeonsstift 1906 auf, die Räume der Kranken konsequent von den Räumen für Sieche und andere Hilfsbedürftige zu trennen. Außerdem musste für die Krankenabteilung ein Arzt mit Leitungsfunktionen vorhanden sein. Dieser leitende Mediziner war verpflichtet, jährlich einen Bericht über die Arbeit des Hauses nach Minden zu schicken. Der Vorstand des Simeonsstifts war mit den neuen Bestimmungen nicht glücklich. Er stellte fest, das Stift sei in erster Linie Siechenhaus und erst in zweiter Linie Krankenanstalt. Das Pflegehaus sei ganz mit der Gemeinde verwachsen und stehe hier im Mittelpunkt der christlichen Liebestätigkeit. Nun werde das Haus von dieser bewährten Grundlage gerückt und in den Augen der Leute zu einer Privatklinik des Arztes gemacht. Trotz dieser Bedenken entschloss man sich, die Krankenabteilung weiterzuführen. Die Patienten wurden in dem Anbau von 1893 untergebracht, die alten Menschen und andere Hilfsbedürftige in dem etwas älteren Pflegehaus. Der bisherige Anstaltsarzt Dr. Hillebrecht wurde leitender Anstaltsarzt und blieb gleichzeitig Hausarzt der Siechenabteilung. Seine Rechte und Pflichten in der neuen Leitungsfunktion wurden im Vorstandsprotokoll festgehalten. Unter anderem hieß es: „Er ist für den ganzen Betrieb der Krankenabteilung, soweit es sich um die Krankenpflege handelt, verantwortlich. Ebenso trägt er die Verantwortung dafür, dass die von der Aufsichtsbehörde in gesundheitspolizeilicher Hinsicht erlassenen Bestimmungen befolgt werden.“

Das Simeonsstift wird ausgebaut und modernisiert

Rechts altes Ur-Simeonsstift

Das Simeonsstift blieb eine gefragte Einrichtung und war wohl häufig mehr als ausgelastet. Ebenfalls 1906 beschloss der Vorstand deshalb einen weiteren mehrstöckigen Um- und Erweiterungsbau, der Platz für einen Tagesraum, einen Festsaal und neue Schlafräume bot. Außerdem wurden Wasserleitungen gelegt und eine Zentralheizung installiert. Bereits zum zweiten Mal innerhalb von 20 Jahren hatte die Einrichtung sich damit vergrößert und war auch erheblich modernisiert worden. Das Diakonissenmutterhaus Sarepta bemerkte die Veränderung und kündigte eine Erhöhung der Schwestern-Vergütung an. Bisher habe man Rücksicht auf die ländliche Lage des Stiftes genommen, denn schließlich fließe das Geld auf dem Lande nicht so leicht wie in den Städten. Aber nun habe sich das Haus so erweitert, dass es den Charakter eines Pflegehauses für die Gemeinde Valdorf etwas verloren habe, und das Simeonsstift könne schließlich mit gewissen Einnahmen rechnen. Intern notierte Sarepta, das Stift sei außerordentlich unübersichtlich, und es gebe ein großes Gemisch von Leuten verschiedenen Standes und Herkommens. Zwar kamen die meisten Bewohner des Simeonsstifts nach wie vor aus Valdorf und der unmittelbaren Umgebung und sie gehörten eher den ländlichen Unterschichten an. Unter den Patienten von Dr. Hillebrecht waren zum Beispiel Dienstmägde, Zigarrenarbeiter und Tagelöhner. Es gab jedoch auch Ausnahmen, die darauf hinweisen, dass das Stift überregional bekannt und auch für wohlhabendere Menschen aus anderen Regionen attraktiv war. So verbrachte die Inhaberin einer Modehandlung aus Elberfeld zwei Jahre im Simeonsstift und eine 45-jährige Berlinerin lebte dort anderthalb Jahre. Vielleicht wollten diese Frauen aus den industrialisierten Großstädten sich in der ländlichen Umgebung erholen? Ein älterer Fabrikant aus Wiesbaden verbrachte die letzten zwölf Jahre seines Lebens im Simeonsstift.

Moderne Behandlungsmethoden in ländlicher Umgebung

Die „Multifunktionalität“ des Stifts und die damit verbundenen Besonderheiten blieben ein Thema. 1915 stellte Sarepta wiederum fest, das Pflegehaus Simeonsstift sei allmählich in ein ganz neues Stadium der Entwicklung getreten. Es gebe eine Verbindung von Krankenhaus, Pflegehaus und Waisenanstalt. Das stelle große Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Schwestern. Sarepta wies darauf hin, wie wichtig eine Trennung von Kranken und Siechen, von Alten und Kindern sei. Offenbar wurde diese räumliche Trennung nach wie vor nicht wirklich durchgehalten und das Haus war immer noch häufig überbelegt. Ebenfalls 1915 notierte der Vorstand selbst: „In den letzten Jahren sind mehr Pfleglinge aufgenommen, als aus gesundheitlichen und sittlichen Gründen eigentlich zulässig ist. Als Regel soll daher für die Zukunft gelten, dass die Zahl 50 nicht überschritten werden darf.“
Die Behandlungsmöglichkeiten, die das Simeonsstift den Kranken bot, waren auf dem Land damals noch eher selten. Kranke Menschen wurden in der Regel in der Familie versorgt und der Besuch eines Arztes war nicht selbstverständlich. Insofern war das Simeonsstift, in dem es schon früh ein Operationszimmer gab, eine fortschrittliche Einrichtung. Das alltägliche Leben im Haus orientierte sich aber offenbar an den einfachen ländlichen Sitten und Gebräuchen. Wilhelm von Bodelschwingh, damals Pfarrer im Diakonissenmutterhaus Sarepta, wandte sich Anfang des 20. Jahrhunderts mehrfach brieflich an die leitende Schwester Henriette Schürmann und bat sie, weniger sparsam mit dem Essen zu sein. Außerdem seien Tischtücher, Teller und Tassen erwünscht. Intern vermerkte Bodelschwingh 1915, die im Simeonsstift geübte Sparsamkeit sei „eigentümlich“. Es sei dort noch Kompott aus dem Jahr 1906 vorhanden. Ältere Menschen, die sich keine besondere Versorgung leisten konnten, lebten in „möblierten Sälen“. Wie beschwerlich die Hauswirtschaft für die Diakonissen lange war, wird an der Beschreibung eines Waschtags aus dem Jahr 1925 deutlich. Die Schwestern standen am Waschtag um drei Uhr morgens auf, um die Wäscheberge bewältigen zu können. Die im Haus gewaschene Wäsche musste zum Ausspülen zu einem einige Minuten entfernten Bach getragen werden, und dann tropfnass zurück ins Haus zum Aufhängen.
Trotz der verschiedenen Erweiterungen blieb das Simeonsstift voll besetzt und nicht alle Anfragen um Aufnahme konnten positiv beschieden werden. Deshalb kam es im Jahr 1936, als das Simeonsstift sein 50-jähriges Bestehen feierte, abermals zu einem Erweiterungsbau.

Das Simeonsstift als Alten- und Pflegeheim

Nach und nach verlor das Simeonsstift seine Funktion als Krankenhaus. In mehreren umliegenden Kleinstädten entstanden größere Allgemeinkrankenhäuser, die auch für die Valdorfer gut erreichbar waren. Spätestens nach 1945 wandelte das Simeonsstift sich in ein reines Alten- und Pflegeheim. Die Wohnungsnot der Nachkriegsjahre und der Bevölkerungszuwachs durch Flüchtlinge und Vertriebene führten zu einer starken Belegung des Simeonsstifts. Wiederum kam es zu einer Erweiterung. Dieses Mal wurde nicht das seit 1886 bestehende Haus ausgebaut, sondern eine benachbarte Gaststätte, die das Simeonsstift bereits einige Jahre zuvor erworben hatte. Der ehemalige Tanzsaal wurde so umgebaut, dass eine Reihe von Altenheimzimmern entstand. Nach der Einweihung im Oktober 1949 schrieb der Betheler Pastor Gustav Sudhölter, das neue Haus sei sehr schön geworden, und man könne nur erstaunt sein, dass so etwas jetzt möglich sei. Modernisierung blieb in der Folgezeit ein wichtiges Thema. In der ersten Hälfte der 60er Jahre entstand ein moderner mehrstöckiger Anbau, der den ehemaligen Tanzsaal einbezog und auch an einer Stelle mit dem alten Gebäude verbunden war. Anlässlich der Einweihung lobte die Presse die in Pastelltönen gehaltenen Zimmer mit Balkon, die hellen Tagesräume und den komfortablen Hotelstil des Hauses. Das Vlothoer Wochenblatt schrieb, der Neubau des Simeonsstifts sei ein „sichtbares Zeichen der sozialen Verantwortung“, die Freie Presse sprach von einem „Wohnparadies für alte Leute“.
Der ziegelrote Altbau aus dem 19. Jahrhundert entsprach dagegen immer weniger den Vorstellungen von zeitgemäßer Altenarbeit. Für die Bewohnerinnen und Bewohner boten die einfachen Räume wenig Komfort und für die Mitarbeitenden erschwerten die räumlichen Voraussetzungen die Pflege und Betreuung. Sarepta bemerkte schon Anfang der 60er Jahre, es sei unmöglich, dass die Schwestern weiterhin kranke und verstorbene Bewohner über die engen Treppen trügen. 1962 kündigte Sarepta den Vertrag mit dem Simeonsstift und Hauseltern aus der Betheler Brüderanstalt Nazareth übernahmen die Leitung des Hauses.
Ende der 60er Jahre stellte die Treuhandstelle der Inneren Mission in Münster fest, eine Renovierung des Altbaues sei aus medizinischen und wirtschaftlichen Gründen nicht ratsam. Ein Architekturbüro schilderte im Rahmen einer Heimberatung den Altbau als verschachtelte, unübersichtliche Anlage mit völlig unzureichender sanitärer Einrichtung. Die Zimmer seien zum Teil stark überbelegt, so dass die Kleiderschränke auf den Fluren stünden. In der Pflegestation gab es noch Räume mit sieben Betten. Das Kuratorium des Simeonsstiftes beschloss deshalb, den Altbau abzureißen und an seiner Stelle „nach modernsten Erkenntnissen“ ein neues Alten- und Pflegeheim zu errichten.

Das neue Simeonsstift im Ev. Johanneswerk

Simeonsstift am 03. April 1984

Es folgte eine längere Planungsphase, in der vieles überlegt und diskutiert wurde. Welche Größe sollte das Bauobjekt haben? Wie konnte die Finanzierung gesichert werden? Wie viele Wohnplätze und wie viele Pflegeplätze sollte das Simeonsstift haben und mit welchem Bedarf konnte zukünftig gerechnet werden? Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hielt die Zahl der Pflegeplätze für zu niedrig und das Landesamt für Denkmalpflege hatte Bedenken, dass das neue Gebäude die benachbarte spätgotische Kirche überragen würde. Lange verhandelte das Kuratorium unter anderem mit dem Land Nordrhein-Westfalen und dem Landschaftsverband, bis alle beteiligten Stellen mit dem Ergebnis der Planungen zufrieden waren. Anfang 1977 lag endlich die Baugenehmigung vor. Die Bewohner des alten Simeonsstifts zogen vorübergehend in das Jugendheim des Kreises Herford an der Ebenöde in Vlotho. Nur das Gebäude aus den 60er Jahren blieb bewohnt. Der Rohbau des neuen Altenheims war schon fortgeschritten, als das Kuratorium Kontakt zum Ev. Johanneswerk aufnahm. Das Kuratorium wünschte sich Unterstützung bei der Verwaltungsarbeit und bei der fachlichen Planung und Weiterentwicklung der neuen Einrichtung. Die Verhandlungen verliefen erfolgreich und im Sommer 1979 schloss das Simeonsstift sich dem Johanneswerk an.
Anfang 1981 konnte der Neubau mit 135 Plätzen eingeweiht werden. In dem Gebäude aus den 60ern, das nun der „Altbau“ geworden war, standen 30 Einzelzimmer zur Verfügung. Im Altenheimbereich des Neubaus gab es Wohnplätze für 45 Menschen und im Pflegebereich 60 Plätze in Einzel- und Doppelzimmern. Im Erdgeschoss waren verschiedene Funktions- und Therapiebereiche entstanden, zum Beispiel Räume für Massagen und für die Beschäftigungstherapie, ein Gymnastikraum, ein Bewegungsbad und ein Friseursalon. Damit entsprach das Simeonsstift in seiner Bauart und Ausstattung den aktuellen Konzepten der damaligen Zeit, die nun schon 30 Jahre zurückliegt.

Ausrichtung an individuellen Bedürfnissen

Als das Haupthaus 1980 gebaut wurde, orientierten sich die fachlichen Konzepte an dem klinischen Modell eines Krankenhauses. Das Kuratorium Deutscher Altershilfe spricht hier von konzeptionellen Entwicklungsschritten stationärer Alteneinrichtungen  der 2. Generation der Altenheimbauweise. Die stationären Einrichtungen dieser Generation favorisierten eine Dreiteilung  zwischen Altenwohnheim, Altenheim und Pflegestation und richteten sich an dem Leitbild des Krankenhauses mit einer deutlichen Medizinausrichtung aus (Funktionsorientierung, rationale Pflege, große Stationen, Hygieneorientierung, Vielzahl an Doppelzimmern, etc.). Der Funktionsaufbau war sehr zentral orientiert (zentrale Speisenversorgung, großer Speisesaal,große Dienstzimmer). Der alte Mensch sollte unter optimalen medizinischen Bedingungen gepflegt und behandelt werden. Das Bedürfnis des Wohnens und Lebens mit all seinen sozialen, kulturellen und kommunikativen Aspekten kam in dieser Zeit deutlich zu kurz.

 

Aus diesem Grund entschied sich das Ev. Johanneswerk für das in den 1990er Jahren innovativste Konzept der Wohngruppenorientierung, dass bis zum heutigen Tage die wesentliche Grundausrichtung des Arbeitens und Lebens im Simeonsstift darstellt. Zielsetzung hierbei ist, pflegebedürftigen Menschen ein ihren eingeschränkten Möglichkeiten entsprechend angepasstes  Wohnmilieu zu schaffen, das sich deutlich von der medizinisch-technischen Ausrichtung der zweiten Generation abgrenzt und das Alten- und Pflegeheim als Lebens- und Wohnort erkennt, in dem die Menschen oft viele Jahre leben und gleichzeitig ihre sozialen und kulturellen Bedürfnisse entwickeln können. Im Mittelpunkt der Pflegeorganisation stehen Konzepte, die die Errichtung von kleineren Wohngruppen mit 9 bis 16 Personen und die Schaffung von größeren Wohnküchen  beinhalten. Die pflegerische Betreuung versteht sich eher als Hilfs- und Unterstützungsangebot, um den Bewohnerinnen und Bewohnern die Entwicklung eines individuellen Lebensstils zu ermöglichen. Die zur Verfügung stehenden Kompetenzen der Bewohner sollen unterstützt, gestärkt und gefördert werden.

Mit der baulichen Umgestaltung und mit der fachlichen Ausrichtung, die in einem Prozess von mehreren Jahren umgesetzt wurde, konnte 1997 begonnen werden.

 

[Bärbel Thau, Geschichtsschreibung; Marianne Schläger-Kramer, Hausleitung]

Kontakt

Simeonsstift
Lemgoer Straße 1
32602 Vlotho
Tel.: 05733 7904-0
Fax: 05733 7904-56
E-Mail: simeonsstift@johanneswerk.de


Hausleiterin:
Marianne Schläger-Kramer

Lob, Kritik & Anregung

zum SeitenanfangSeite druckenÜber diese Seite