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Witze übers Altern: Darf man das?

Autor Micky Beisenherz (links) und Comedian Oliver Polack schrieben nach dreitägigem Besuch ein Comedyprogramm über und für die Bewohner im Haus Stephanus.
Waltraud Stork steckte den einen oder anderen Scherz ein, hier wird sie kurz vor der Vorstellung noch interviewt. Fotos: Christian Weische

WDR dreht mit Micky Beisenherz und Oliver Polack für „Das Lachen der Anderen“ im Haus Stephanus

Der Film ist zu sehen in der Mediakthek des WDR.

„Sie sind gar nicht dement! Sie sind einfach betrunken von dem ganzen Eierlikör!“ Das Publikum von Oliver Polack bricht in herzliches Gelächter aus. Ob seine Gags über Demenz, Tabletten, Tod und Schlagermusik hier einschlagen würden, war sich der Stand-up-Comedian selbst nicht so ganz sicher. Denn: Die Menschen, über die er sich lustig macht, sind gleichzeitig sein Publikum. 

Das Haus Stephanus in Hiddenhausen steht im Mittelpunkt einer Episode der Sendung „Das Lachen der Anderen – Comedy im Grenzbereich“ des WDR-Fernsehens. Das Format, das für den Grimme-Preis 2016 nominiert war, möchte herausfinden, wie weit Humor gehen kann und ob Witze über Krankheiten, Einschränkungen oder Randgruppen funktionieren. Neben Kleinwüchsigen, Nonnen und Adeligen sind auch pflegebedürftige Menschen im Johanneswerk Teil des mutigen Humor-Experiments.

Für drei ganze Tage waren die Hauptprotagonisten Comedian Oliver Polack und Autor Micky Beisenherz im März in Hiddenhausen angereist und in den Stephanus-Alltag eingetaucht: Sie trafen sich mit Bewohnerinnen und Mitarbeitern, führten lange Gespräche, verschafften sich einen Eindruck von der Pflege und setzten sich mit Tod und Trauer auseinander. Sie aßen im Haus zu Mittag und schwangen das Tanzbein zu Musik vom Alleinunterhalter.

Besonderer Blickwinkel auf die Altenhilfe

Immer dabei: zwei Kameramänner, ein Tontechniker, ein Regisseur und eine Regieassistentin. Immer im Hinterkopf: Was machen die wohl aus dem, was sie hier vorfinden? Und Immer notwendig: schriftliche Einverständniserklärungen aller Beteiligten, vorbereitete Räume und verständnisvolle Angehörige. „Das war logistisch schon ein riesiger Aufwand für uns“, so Hausleiterin Manuela Schock. „Aber ich habe 35 Jahre lang darauf gewartet, die Altenhilfe mal in einem solch besonderen Licht darzustellen.“

Tatsächlich ist die Comedy-Vorstellung, für die Polack und Beisenherz knapp drei Wochen später zurückkehren, erfrischend ungewohnt: „Bei Ihnen, Frau Stork, habe ich immer das Gefühl, Sie schlucken nicht nur Ihre eigenen Tabletten, sondern die der anderen gleich mit!“, grinst Polack und am lautesten lacht: Waltraud Stork. Nicht jeder Scherz sitzt perfekt, aber am Ende sind alle amüsiert und niemand gekränkt. Die ein oder andere Anekdote entwickelt sich bereits unmittelbar nach der Show zum Running Gag. An diesen Tag werden sich im Haus Stephanus alle noch lange erinnern.

„Uns auf das Experiment und den Dreh einzulassen, hat uns ziemlich viel Mut gekostet“, gesteht Manuela Schock. „Wir wussten ja nicht, was da auf uns zukommt. Aber letztlich haben sich die Bedenken überhaupt nicht bewahrheitet. Es war angenehm und sehr aufregend!“ Und auch das Drehteam zieht ein positives Fazit: „Wir haben uns hier wirklich wohlgefühlt“, so Beisenherz. „Dass es in einem Altenheim so schön sein kann und dass die alten Menschen so wach, schnell und hellhörig sind, hatten wir nicht erwartet.“ Polack fügt hinzu: „Frau Schock, wir würden auch gern schon mal zwei Plätze bei Ihnen reservieren!“

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