
Endlich einmal Zeit mit Papa verbringen: Das Spielräume-Wochenende ermöglichte Kontakt, Begegnung und Spaß. Foto: Werner Krüper
Bielefeld/Schwerte (JW 24.9.2010). „Es war echt schön, endlich mal so viel Zeit mit Papa zu verbringen“, sagte ein vierjähriger Junge. Bisher einmalig in ganz Deutschland hat der Ev. Gemeindedienst im Ev. Johanneswerk in Kooperation mit der Männerarbeit im Institut für Kirche und Gesellschaft der Ev. Kirche in Westfalen ein Wochenende für Männer im offenen Strafvollzug und deren Kinder angeboten.
Unter Einbeziehung unterschiedlicher spielerischer und kreativer Methoden konnten die Kinder und ihre Väter im Projekt Spielräume in entspannter Atmosphäre gemeinsame Zeit verbringen. Zeit für Spiel und Spaß am und im Wald, für kreative Aktionen, für Väter- und Kinderrunden, zum gemeinsamen Lachen und für Gespräche – ein ganzes Wochenende lang.
Kinder sind die sozial schwächsten und abhängigsten Mitglieder in Familien. Durch die Verurteilung des Vaters wird ihr Leben auf den Kopf gestellt. Die Trennung von ihrem Elternteil konfrontiert sie mit Unsicherheiten, Zweifeln und Ängsten. Das Wochenende bot ihnen die Gelegenheit, mit ihrem Papa in Kontakt zu kommen und ihn einmal nur für sich zu haben – Zeit, die im Vollzugsalltag sehr stark reglementiert ist.
Gesonderte Kinder- und Väterzeiten
Neben gemeinsamen Aktivitäten gehörten zum Wochenende auch getrennte Väter- und Kinderzeiten. Mit den Kindern wurden Themen wie Gefühle, Trennung und Wünsche behandelt. Außerdem entstanden eigene Wunsch-Schatzkisten. In den Väterrunden hatten die Väter Raum, um über ihre Vaterrolle unter den erschwerten Bedingungen der Haft und die Bedeutung der Vaterverantwortung für die Kinder zu sprechen. Durch die Offenheit während dieses Wochenendes und die große Bereitschaft sich auszutauschen, konnten die Väter und Kinder neue Spielräume des Miteinanders erleben.
An dem Seminar, das finanziell vom Ev. Familienbildungswerk in Münster unterstützt wurde, nahmen sieben Väter und elf Kinder unterschiedlicher Nationalitäten im Alter von vier bis zwölf Jahren teil. „Ich habe meine Tochter und meinen Sohn ganz anders kennen gelernt. So konnte ich viel Neues über sie und dadurch auch über mich erfahren“, sagte ein Teilnehmer. Auch die Veranstalter sind hochzufrieden mit dem Projekt: Bei gesicherter Finanzierung geht es 2011 in die dritte Runde.
Für weitere Informationen stehen zur Verfügung:
Melanie Mohme (Ev. Gemeindienst): Tel.: 0521 801-2727 und
Jürgen Haas (Institut für Kirche und Gesellschaft der Ev. Kirche von Westfalen): Tel.: 02304 755-375.
Ev. Johanneswerk
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